zurückweiter
  mehr
 

Farbe und Raum

Umbau und Erweiterung MFH Zürich I Farbberatung aussen u. innen I 2017–2019
Architekt: Wirz Architekten GmbH, Zürich
Bilder: Hannes Henz

Für die eine Hälfte eines Doppelmehrfamilienhauses in Zürich Wollishofen waren eine Fassadensanierung mit Aufstockung sowie der Ausbau eines bestehenden Anbaus im EG geplant.
Mit dem neuen Attikageschoss und den minimalen Veränderungen an den bestehenden Öffnungen wird die Autonomie der zuvor über ein gemeinsames Satteldach verbundenen Gebäudehälfte erhöht. Konzeptionell sollte das neue alte Haus über einen einfachen Putz und eine einfache Farbe verortet werden. Das gebrochene Weiss wurde sowohl für den Putz als auch – in einer leicht dunkleren Nuance – für die Wellblechverkleidungen verwendet. Eine subtile Bereicherung erhält die Fassade mit dem reinsilikatischen Anstrichsystem, durch das sie sehr differenziert auf die unterschiedlichen Lichteinfälle reagiert. Das Spiel mit dem Licht findet seine Fortsetzung bei den Blechverkleidungen im Attikageschoss. Die kräftigen oxidroten Balkongeländer werden für eine zusätzliche Lesart der Fassade eingeführt.
Für die beiden neuen Wohnungen war die Farbgebung sehr eng mit den entwerferischen Absichten der Architekten verbunden. Mithilfe von Modellen wurden die Entwurfsideen und verschiedene, für deren Umsetzung denkbare Farbverbindungen beobachtet und überprüft. Zwei für beide Wohnungen wichtige und prägende Farb- und Materialentscheide flossen schon zu einem frühen Zeitpunkt in die Überlegungen mit ein: der schwarze, leicht glänzende Gussaspahltboden mit seiner rohen und nicht perfekten Oberfläche sowie die bei bestimmten Räumen eingesetzte Deckenverkleidung mit Seekieferplatten.
Der vorspringende, pavillonartige Anbau wird zur Eingangshalle der neuen Wohnung im EG. Durch eine petrolfarbene, schmale Wandscheibe wird die Halle unterteilt. Dieser «Paravent» schafft einerseits die Verbindung zwischen innen und aussen, indem er den Essbereich im Innern mit dem privaten Gartensitzplatz bis hin zur bepflanzten Aussenmauer fasst. Andererseits definiert er im hinteren Teil des Raums den Küchenbereich und verweist gleichzeitig in den grossen Wohnraum mit den angrenzenden Zimmern auf der einen und dem «Bad im Schrank» auf der anderen Seite. Der schwarze Boden, umgeben von den mineralisch weissen Wänden und Decken, nimmt das hier auftreffende Tageslicht grosszügig auf. Die drei blauen Türen öffnen die Zimmer und verweisen auf die zweite kräftige Farbe in der Eingangshalle.
Das Thema des Pavillons wird bei der Attikawohnung nochmals aufgenommen, ebenso die Verbindung vom Innen- zum Aussenraum. Die Wohnung wird hierzu als zwei «Pavillons» gedacht, die Verschränkung von innen und aussen über einen Wechsel des Bodenbelags und eine feine farbliche Auszeichnung des nach beiden Seiten sich öffnenden schmalen Zwischenraums erreicht.
Die Küche findet Platz im Durchgang, Wände und Decke nehmen deren dunkle Farbe auf. Die beiden grösseren (Wohn-)Räume wurden gewichtet, indem die Decken mit Seekiefer verkleidet und je eine Wand mit schmalen Holzleisten gegliedert und mit einem feinen Grün- bzw. Blauton gestrichen wurde.